Hans Josephsohn
Ohne Titel (Ruth), 1968
ab Juli 2026
Bibliothek Günther Förg
Die Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen freut sich, Sie auf die Skulptur Ohne Titel (Ruth), 1968 des Schweizer Bildhauers Hans Josephsohn aufmerksam zu machen, die ab Juli 2026 im Garten der Bibliothek Günther Förg in der Hauptstraße 7, in Weidingen zu sehen sein wird.
Der Schweizer Bildhauer Hans Josephsohn (1920–2012), geboren in Königsberg (damals Ostpreußen) musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft im Jahr 1938 aus Königsberg über Italien in die Schweiz fliehen. Nachdem er zunächst in Arbeitslagern interniert wurde, konnte er in Zürich als Assistent des Bildhauers Otto Müller beginnen und Zeichenkurse besuchen. Josephsohn, der seit über sechs Jahrzehnten künstlerisch tätig war, gilt heute als einer der bedeutendsten Bildhauer des späten 20. Jahrhunderts.
Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit der Darstellung des Menschen als Figur im Raum. Aus Gips geformt, werden sie anschließend in Bronze oder Messing gegossen. Die Skulpturen des Künstlers, die zunächst in Gips modelliert und später in Bronze oder Messing gegossen wurden, zeichnen sich durch eine eindringliche körperliche Materialität aus, die die Unmittelbarkeit der Technik mit einer Ästhetik der Zeitlosigkeit verbindet, um die réalité vivante(lebendige Realität) einzufangen. Die Werkgruppen, die der Künstler selbst in die Kategorien „Stehende Figuren“, „Sitzende Figuren“, „Liegende Figuren“, „Halbfiguren“, „Köpfe“ und „Reliefs“ einteilte, veranschaulichen die zentrale Rolle, die der menschliche Körper in Josephsons Gesamtwerk spielt. Vor allem sein Spätwerk zeichnet sich durch die Ambivalenz der fast abstrakten Figur aus, deren Individualität durch Form, Material und Oberfläche gewährleistet wird.
Ohne Titel (Ruth), 1968, ist eine haptisch anmutende in Messing gegossene Skulptur aus Hans Josephsohns beachtlichem Werkzyklus der „Halbfiguren“. Der Künstler arbeitete mit lebenden Modellen, um deren Wesen einzufangen, und schuf seine Werke nach Menschen, zu denen er eine enge Beziehung hatte. Dazu gehörte auch Ruth, seine damalige Lebensgefährtin, die nach ihrer ersten Begegnung im Jahr 1956 für zwanzig Jahre sein Modell war. Ulrich Meinherz, Direktor des Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen, Schweiz, bemerkt dazu: „Die Werke sind keine Porträts im eigentlichen Sinne; […] aber der Ausgangspunkt war immer die Begegnung mit der realen Person. Josephsohn arbeitete sehr intuitiv. Die Werke wurden immer abstrakter. Sein Thema war immer die menschliche Figur als Volumen im Raum, und dabei fügte er immer mehr Material hinzu, als er wegnahm.“
Die Suche nach der richtigen Form bestimmte sein Schaffen, wobei Gips sein bevorzugtes Material war. Mit Gips, diesem „weichen Stein“, war er in der Lage, seine Werke immer wieder zu überarbeiten und sie durch Hinzufügen und Wegnehmen von Material weiterzuentwickeln, bevor er sie Bronze oder Messing gießen ließ. Die raue Oberfläche seiner Skulpturen, das Ergebnis des Prozesses der Suche nach der richtigen Form, ist ein wesentliches Merkmal seiner Skulpturen. Durch alle Werke Josephsohns zieht sich eine beharrliche Körperlichkeit, eine Akzeptanz der unbestreitbaren Schwere und Materialität des menschlichen Körpers. Für ihn gibt es keine spirituelle Möglichkeit und somit keine Wahrheit außerhalb des menschlichen Körpers, der alle Verletzungen des Lebens ertragen muss. Josephsohns einzigartiger Stil ist ganz der Moderne verpflichtet, ohne jedoch der Tradition abzuschwören.
Die Skulptur Ohne Titel (Ruth), 1968, ist ab Juli 2026 im Garten der Bibliothek Günter Förg neben Arbeiten von André Butzer, Günther Förg, Ulrich Rückriem, Rebecca Warren und Toby Ziegler zu sehen. Damit ergänzt sie den wachsenden Skulpturenpark der Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen um die Arbeit eines weiteren Künstlers. Von Hans Josephsohn war bislang keine Arbeit hier vertreten. Seine Skulpturen finden sich außerdem im Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kolumba, Köln; Kunsthaus Zürich; Kunstmuseum Appenzell; Kunstmuseum St. Gallen; The Metropolitan Museum of Art, New York; Musée d‘Art Moderne de Paris; Museum Folkwang, Essen; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; Neue Nationalgalerie, Berlin; and Stedelijk Museum Amsterdam.
Das Kesselhaus Josephsohn in St. Gallen ist zentraler Ausstellungsort mit wechselnder Auswahl an Bronzen und Gipsmodellen. La Congiunta, ein von Peter Märkli entworfenes "Haus für Reliefs und Halbfiguren von Hans Josephsohn" in Giornico im Tessin, in der Schweiz, ist exklusiv seinen Werken gewidmet.